Mein Bart und ich

Guten Tag!

Es ist der 4. August – und ich darf mich wieder meinem Blog widmen. Da ich nachher arbeiten muss, wird es wohl kein sehr langer Text, aber ich wollte meinem Rhythmus treu bleiben und so kommt hier mein 4. Eintrag.

Der letzte Monat war durchwachsen. Finanzielle Unwägbarkeiten und im Privatleben sowie im Beruf auch nicht alles perfekt. Ich war froh, als der Juli vorbei war. Der August verspricht finanziell gesehen auch nicht besser zu werden, dafür bin ich vielleicht privat etwas entspannter. Thema heute ist eins, das mich schon lange beschäftigt, ich aber nie wirklich aufgelöst habe: Mein Bart.

Ich habe eigentlich schon seit der Pubertät ein Oberlippenbärtchen. Ich habe das immer einfach so hingenommen, mich zwar leicht unwohl gefühlt, weil ich das Gefühl hatte, dass das außer mir sonst niemand hat, aber da ich mir ungerne Haare ausrupfe (schmerzhaft und zeitaufwändig) war es immer da.

Dann kamen vor ca. 8-9 Jahren kleine Härchen an meinem Kinn hinzu, ich wunderte mich, wo die her kamen und was sie da machten, tat aber nichts gegen sie, außer sie ab und zu raus zu zupfen – Haare an meinem Kinn fand ich nicht so toll.

Aber für mich war das kein Anlass, groß etwas dagegen zu tun, sind ja nur Haare und außerdem ist das natürlich und wie gesagt, Haarentfernung ist mir zu viel Arbeit – ich bin mit meinen Gedanken meist wo anders. Irgendwann wurde mir dann gesagt, dass etwas mit meinem Hormonhaushalt nicht normal sei – ich nahm etwas ein und plötzlich wurden die Haare nur mehr. Auch wenn ich sie auszupfe oder mit Wachs entferne – ja, ich habe das irgendwann dann doch ausprobiert – kommen sie danach nur noch intensiver wieder. Inzwischen habe ich eine Art Ziegenbärtchen an meinem Kinn, lange schwarze Haare die jeder sehen kann. Ich fühle mich sehr unwohl mit deren Existenz.

Vor ca. 4 Jahren haben mir meine Schwestern angeboten, dass sie mir eine professionelle Haarentfernung schenken zum Geburtstag schenken wollen. Ich war unter Schock. Ich hatte nie vor ihnen erwähnt, dass ich sowas gerne machen wolle und empfand es als sehr verletzend, dass sie mein äußeres derart verändern wollten – für mich hieß das, sie nehmen mich nicht so wie ich bin und ich solle mich denen anpassen. Die eine erzählte mir, dass sie mal von ihren Bekannten darauf angesprochen worden war, dass ich einen Bart habe und das habe sie auf die Idee gebracht, mir das anbieten zu wollen, da ich mich ja vielleicht schlecht deswegen fühlen würde. Meine Schwester war selbst früher sehr behaart – ob im Gesicht weiß ich nicht mehr, aber am Rücken und sie hat wohl sehr darunter gelitten und irgendwelche Maßnahmen ergriffen – habe ich nur erzählt bekommen, welche Maßnahmen das waren, weiß ich nicht. Ich lehnte das Angebot ab.

Es stimmt zwar, dass ich mich unwohl damit fühle, aber die frage ist doch: Warum? Stören mich die Haare an sich wirklich? Oder ist es nur das Schönheitsideal, dass Frauen keine Haare haben dürfen außer auf dem Kopf, welches uns aufgedrückt wird? Wenn zweiteres der Fall ist, dann sehe ich eigentlich nicht ein, warum ich mir die Mühe machen sollte, die Haare zu entfernen. Es besteht kein medizinischer Anlass. Allerdings beobachte ich schon manchmal, dass der Wind an den Haaren am Kinn zieht und das ist ein seltsames Gefühl. Oder die Haare an meiner Oberlippe kratzen mich – was durchaus störend ist.

Ich bin noch zu keiner Entscheidung gekommen, wie ich in dieser Sache weiter vorgehen soll – ich denke, wenn ich wieder anfange mir, die Haare auszuzupfen, dann muss ich das immer machen, weil sie sonst noch stärker nachwachsen. Ich hoffe im Moment, dass, wenn ich gar nichts tue, dass die Haare dann nicht mehr werden, sondern einfach so bleiben wie sie sind und irgendwann kümmere ich mich um meinen Hormonhaushalt und dann kann ich sie rausrupfen und sie kommen nicht mehr so intensiv wieder oder verschwinden sogar ganz.

Natürlich stellt sich mir auch die Frage, ob ich im Alltag nicht einfach entspannter wäre, wenn ich sie entfernen würde – aber dann kommt sofort der emotionale Einwand, dass ich es nicht einsehe, mir von der Gesellschaft diktieren zu lassen, wie ich auszusehen habe. Da spielt ja auch Beinbehaarung eine Rolle: Meine Beine haben Ähnlichkeit mir denen eines Bären. Überall dicke Haare. Ich habe mir die Beine seit einer Ewigkeit nicht rasiert – zeige sie aber eigentlich nie in der Öffentlichkeit, da ich immer lange Hosen trage. Wenn ich dann doch mal haarfreie Beine brauche, dann nehme ich Wachs aus dem Supermarkt – ist zwar schmerzhaft, aber ich habe die Hoffnung, dass wachsen die Haare nicht so sehr zum Wachstum anregt wie rasieren.

Naja, irgendwie ist diese ganze Thema total schambehaftet. Ich hoffe, dass mir das Schreiben darüber neue Perspektiven eröffnet. Zum Abschluss noch ein Link zu einem Projekt, dass ich ziemlich großartig finde:

Vielen Dank für´s Lesen!

Eure Georgina

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The 4th of July

Guten Tag!

Heute ist der 4. Juli. Nationalfeiertag in den USA und außerdem Zeit, meinen dritten Blog-Eintrag zu verfassen – es hatte sich zufällig so ergeben, dass ich meinen zweiten Blogbeitrag genau wie meinen ersten am 04. des Monats geschrieben habe und so habe ich mir überlegt, dies fort zu führen.

Hier mal ein Lied, das für mich zu diesem Tag passt:

Nirvana – abgedroschen und doch eine großartige Legende – aber das nur am Rande.

Nach meinem letzten Blog-Eintrag habe ich beschlossen, wenigstens einen Schritt zu unternehmen, der mir eingefallen war als Lösung für meine verzweifelte Lage: Ich habe es tatsächlich getan. Ich habe nach vier Jahren und ca. sechs Monaten am 14.06.2019 meinen Job im Kino gekündigt – fristgerecht zum 15.07.2019. Da ich schon lange das Gefühl hatte, dort nicht mehr arbeiten zu wollen, aber nicht los kam, war es wohl einfach letztendlich die richtige Entscheidung – ich fühle mich jedenfalls sehr befreit seit dem. Das erste mal kündigen wollte ich im Dezember 2016, aber zuerst fand ich keinen anderen Job, den ich ergänzend zum Kino ausüben konnte (der kostenlose Eintritt war ein Grund, den Job so lange zu behalten) und dann hatte ich 2018 zwar einen zusätzlichen Job, wollte aber nicht abrupt kündigen, da ich für mich beschlossen habe, keine harten Einschnitte in meinem Leben mehr selbst durch zu führen – ich versuche, fließende Übergänge zu machen, nachdem ich öfter meine Haare von sehr lang zu sehr kurz geschnitten habe oder von Überlingen nach Berlin gezogen bin oder meine WG aufgelöst habe – was sehr starke Kontraste sind und ich habe fest gestellt, dass das zwar einerseits aufregend ist und spannend und erneuernd, andererseits aber auch anstrengend und kräfteraubend.

Nachdem ich gekündigt hatte, hatte ich am nächsten Tag wieder einen Termin bei einer Heilpraktikerin – einer anderen diesmal. Bei ihr in ihrem Häuschen in einem Berliner Randbezirk fühlte ich mich sehr wohl – der Termin dauerte drei Stunden und sie hat mir viele Dinge erklärt und auch zugehört – ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Ballast bei ihr nicht verstecken musste und konnte mich im wahrsten Sinne des Wortes bei ihr ausheulen – das hat unendlich gut getan. Außerdem hat sie mir Ernährungstipps gegeben und die waren für mich auch sehr hilfreich – so habe ich tatsächlich nach Jahren mal wieder Spinat gegessen 😉

Ansonsten habe ich bei meinem jetzigen Job kürzere Schichten beantragt und auch bekommen – anstelle von 9 h Anwesenheit im Büro sind es jetzt nur noch 6,5h – das ist eine deutliche Entlastung. Ich versuche, mich so gut es geht zu entspannen und Stress aus dem Weg zu gehen. Ich muss sagen, dass ich mich schon wirklich ein bisschen besser fühle – allerdings heißt das nicht, dass meine Probleme alle gelöst sind. Aber ich habe wieder ein bisschen Hoffnung. Ich habe Anfang Juni ein bisschen meditiert und auch mit Hilfe von YouTube-Videos – für mich war das sehr hilfreich und wohltuend – wer es ausprobieren möchte:

Auch an der Uni-Front gibt es erfreuliches: Ich habe tatsächlich eine grobe Gliederung für meine Abschlussarbeit erstellt und ein paar Gedanken festgehalten – der aller erste Anfang ist also gemacht. Wie lange sich das alles jetzt noch hinziehen wird, weiß ich nicht, aber das ist mir inzwischen auch egal. Ich bin soweit über der Regelstudienzeit, dass es auf ein oder zwei Semester mehr auch nicht mehr ankommt und irgendwie geht alles immer. Meine Minderwertigkeitsgefühle bekämpfe ich jetzt auch: Ich habe mein Masterstudium weitestgehend komplett selbst finanziert, ich habe meiner Mutter beim Sterben zu gesehen, ich habe Freundschaften gepflegt und auch ein bisschen meinem Vergnügen gefrönt, Filme zu schauen. Nicht zu vergessen meine eigenen gesundheitlichen Schwierigkeiten, die mich seit Jahren begleiten. Alles Faktoren, die dazu geführt haben, dass mein Studium bisher einfach nicht fertig wurde – ah, es kommen sogar noch zwei Faktoren hinzu: Ich habe ein Masterstudium ein einem Fach aufgenommen, das eigentlich einen Bachelor in diesem Fach erfordert, den ich aber nicht habe. Somit ergaben sich weitere Schwierigkeiten akademischer Natur, da ich mich erstmal in dieses neue Fach einarbeiten musste. Darüber hinaus bin ich für auf dem Papier sogar für zwei Masterstudiengänge eingeschrieben und ich habe zeitweise versucht, beide zu absolvieren, was ich aber vor Jahren schon aufgegeben habe – aber auch das hat natürlich Zeit gekostet. Für mich sind das alles Dinge, die zu meinen Gunsten sprechen. Schade ist jedoch, dass in meiner Familie in der Vergangenheit und teilweise auch jetzt noch ein großes Unverständnis hierfür herrscht, weil sie alle studiert haben und es schneller beendet haben als ich. Naja, ist aber eigentlich nicht mein Problem, wenn andere meinen Lebensstil nicht akzeptieren oder gar verachten. Wichtig ist doch, dass ich mich selbst nicht mehr so fertig mache, wie ich es lange Zeit getan habe – wenn ich an meine Familie denke, wird mir da ganz anders.

Im vergangenen Monat habe ich auch mal wieder geraucht. Ich rauche seit ich zwölf bin ab und zu – es ist ein Ersatz wenn ich das Gefühl habe, dass mir etwas fehlt oder ein Mittel zum Entspannen oder es hilft mir auch bei so mancher Krisenbewältigung. Nachdem ich vergangenen Samstag mich mit einem alten Bekannten wieder getroffen habe und vor ihm eine rauchte, was eine Tirade wider das Rauchen nach sich zog, war ich erschüttert. Ich weiß, dass Rauchen ungesund ist. Jeder weiß das. ABER: Für mich gibt es auch positives am Rauchen und zwar Folgendes: 1. Die negativen Folgen einer Zigarette sind für nicht sofort spürbar – im Gegensatz zum Verzehr von Nahrungsmitteln, die ich nicht vertrage. 2. Da ich nicht in meiner Wohnung rauche, und generell ungern in Innenräumen, ist mit dem Rauchen auch ein bisschen Bewegung sowie das Einatmen von frischer Luft verbunden. 3. Mit dem Rauchen verbinde ich viele schöne Erinnerungen und mit diesen fühle ich mich unterbewusst verbunden, wenn ich eine Zigarette in der Hand halte. 4. Der Klassiker: Der kommunikative Aspekt des Rauchens – es ist eine Tätigkeit, die man gut in Gesellschaft durchführen kann und ein gewisses Gefühl von Verbundenheit erzeugt.

Gründe für mich, mir das Rauchen nicht komplett verbieten zu wollen. Denn ich habe das Gefühl, dass ich auf so vieles verzichte: Alkohol, Zucker, Milch und Käse und Getreide, dass ich darauf nicht auch noch verzichten will. Außerdem muss ich mich ständig darauf konzentrieren, was ich esse, oder ich muss arbeiten, oder für die Uni was tun – da ist ab und zu rauchen für mich eine Art Ausgleich, ein Bereich, bei dem ich mich nicht total konzentrieren muss, quasi eine Art „Nische des Ausbrechens“, damit ich nicht das Gefühl habe, ich bin eine Maschine und mache nur noch was ich „darf“. Da kann ich es nicht haben, wenn man so krass dagegen wettert. Es ist jedem seine eigene Entscheidung – und ich denke nicht, dass ich besagten alten Bekannten demnächst wieder sehen möchte.

So, und nun: Vielen Dank fürs Lesen!

Eure Georgina

Panikattacken und der Wunsch nach Ruhe

Guten Tag!

Mein letzter Beitrag ist schon ca. einen Monat alt und da ich gerade mal wieder etwas Zeit für mich habe, nehme ich es als Anlass, hier mal wieder was zu schreiben.

Der letzte Monat war auf seine Weise ereignisreich. Ich bin nach einigen Wochen der Abwesenheit wieder an meinen Arbeitsplatz zurück gekehrt und auch an die Universität. Beide Rückkehren waren recht harmonisch – was ich so nicht unbedingt erwartet hatte.

Dennoch ist mit meinem Leben momentan nicht alles in Ordnung. Ich fühle mich ständig überlastet und angestrengt und gestresst. Manchmal genügt schon der Anblick einer einzigen Person auf der Straße und ich habe Panik. Nicht, dass das was neues wäre. Das erste Mal begegnete mir dieses Gefühl wohl als Kind im Urlaub im Schwarzwald. Es war ein regnerischer Tag und ich bin mit meinen Schwestern in den Wald gelaufen. Der Weg war sehr matschig und es gab eine große Pfütze. Mit meinen Gummistiefeln blieb ich darin stecken und sank ein, sodass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich schrie, aber meine Schwestern waren bereits in einiger Entfernung. Bevor mir geholfen wurde, verging ein Moment der Panik und des Gefühls, zurück gelassen worden zu sein, mit Absicht? Ich war jedenfalls unter Schock. Da ich vermutlich nicht älter als fünf war, konnte ich diese Gefühle natürlich schwer artikulieren. Jetzt bin ich 30 und die Panik ist noch immer in meinem Leben ein Teil. Ich habe das lange ignoriert oder verdrängt, weil ich dachte, dass sei normal oder jedenfalls nicht weiter schlimm und würde sich von selber erledigen. Das ist aber leider nicht der Fall.

Ich würde sagen, ich bin hypersensibel. Ich spüre die Gefühlslage anderer Menschen sehr deutlich und manchmal überträgt sich das auf mich. In einer Stadt wie Berlin und da ich viel Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitten verbringe ist es schwer, das auszuklammern oder sich dagegen zu sperren. Und dieser Stress, den das in mir auslöst, manifestiert sich in mir und ich habe noch keinen Weg gefunden, damit um zu gehen weil in mir ein Widerwille ist der nicht einsieht, sich damit auseinander zu setzen. Nur leider habe ich inzwischen den Verdacht, dass meine gesundheitlichen Beschwerden unter anderem auch darauf zurück gehen. Oder auch auf meinen Nachbarn, der mich ein halbes Jahr lang nicht schlafen ließ, weil er nachts seine Anlage laut aufdrehte. Einmal war ich gerade eingeschlafen und er weckte mich just in diesem Moment. Ich war schon immer Geräusch-sensibel, seit dem bin ich quasi in ständiger Alarmbereitschaft und mein Körper macht nicht mehr mit.

Außerdem setzt mich mein Studium unter Druck und die Tatsache, dass ich seit Jahren am Existenzminimum lebe. Die Frage die ich mir nun stelle, ist, wie kann ich verhindern, dass alles noch schlimmer wird?

Die Anworten, die ich darauf finde, verursachen mir Unbehagen. Ich habe zwar Lösungsansätze, aber die umzusetzen würde irgendwie bedeuten, eine Niederlage ein zu gestehen und ich schäme mich sehr dafür. Außerdem eine Umstrukturierung meines Lebens vor der ich Angst habe, da ich nicht weiß, ob sie dazu führen, dass es wirklich besser wird oder ob ich dadurch nicht doch alles schlimmer mache.

Ich möchte nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber meine Lage ist ernst. Ich teste gerade Nahrungsergänzungsmittel für den Darm von Nutravia, um meine Darmschleimhaut abzudichten und von Beano ein Mittel, das helfen soll, Kohlenhydrate zu verdauen. Das letztere scheint aber nicht wirklich gut zu funktionieren. Wohingegen ich schon sagen kann, dass das Nutravia-Präparat durchaus eine belebende Wirkung hat.

Trotzdem habe ich Angst vor der totalen Misere.

Und damit ist der heutige Eintrag zu Ende.

Danke fürs Lesen!

Alles Liebe,

Georgina

Erster Blogbeitrag

Guten Tag!

Nachdem ich mich schon seit längerem mit der Idee beschäftigt habe, meine Gedanken und was mir so widerfährt im Leben, der Welt mitzuteilen, habe ich heute nun den Schritt getan und mich der Welt des Bloggens zugewandt. Ich bin nicht sehr technik-affin und so bin ich selbst überrascht, dass ich das hier jetzt tatsächlich schreibe.

Hauptsächlich dient der Blog für mich zur Verarbeitung meiner oftmals negativen Gefühle angesichts der Probleme in meinem Alltag. Nachdem vor einigen Monaten meine Mutter nach langer schwerer Krankheit (vor sieben Jahren wurde bei ihr Darmkrebs diagnostiziert) verstorben ist, sehe ich mich einfach gezwungen, mir manche Dinge von der Seele zu schreiben und ich habe das Gefühl, dass ein öffentlicher Blog besser dafür geeignet ist als ein Tagebuch.

Kurz bevor meine Mutter starb, habe ich nach lebenslangen Verdauungsbeschwerden -ohne die Ursache dafür zu kennen – endlich eine Diagnose diesbezüglich bekommen. Sie lautet: Kohlenhydratintoleranz. Ich war bei unzähligen verschiedenen Ärzten, habe eine Darmspülung gemacht (sogar 2 mal) und immer hieß es, es sei alles in Ordnung. Dem war aber nicht so! Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich, wenn ich die Ursache nicht bald finde und gegensteuere, ernsthaft krank werde. Also habe ich meine Symptome in eine Suchmaschine eingetippt und eine Heilpraktikerin gefunden, die Medizin studiert hat. Sie hat die Diagnose nach einer Laboruntersuchung gestellt und die Therapie bei Kohlenhydratintoleranz heißt: Vermeidung von Kohlenhydraten. Das war ein Schock.

Ich habe mich nie mit Ernährung beschäftigt, Kochen war ein rotes Tuch für mich und ich habe mich hauptsächlich von Brot und Reis ernährt, oder von Essen in Restaurants und Imbissen und das sollte nicht gut für mich sein? Ich hörte auf Brot zu essen. Ich hörte auch auf, Milchprodukte zu essen. Und ich hörte auf, Eier zu essen. Also so ziemlich alles, wovon ich mich bis dato ernährt hatte. Das ist jetzt ca. sieben Monate her. Da ich es noch immer nicht geschafft habe, mich so zu organisieren, dass ich zufrieden bin und meine Gesundheit noch immer nicht hergestellt ist und ich infolgedessen etwas frustriert bin, brauche ich eine Motivation, um weiter zu machen und ich hoffe, dass dieser Blog mir dabei hilft.

Der Anlass warum ich das heute jetzt angefangen habe ist folgender: Ich habe einen Bioladen bei mir um die Ecke. Da war ich gestern mal wieder einkaufen – ich war lange nicht mehr dort gewesen, da mir die Preise zu teuer waren. Es war auch so ein ganz guter Einkauf, weil er mich davon abhielt, meinen Plan, meine Ernährungsweise für ein Schnitzel mit Pommes in der nächstgelegenen Dönerbude zu unterbrechen, in die Tat umzusetzen. Nachdem ich den Einkauf durchgeführt hatte und sehr zufrieden damit war, fiel mir ein, dass dieser Laden eine Art Verein ist. Wenn man den Mitgliedsbeitrag zahlt, dann bezahlt man 20% weniger für die Produkte dort als Nicht-Mitglieder. Also habe ich mir heute die Beiträge angesehen und wurde unfassbar wütend. Ich bin Single. Eigentlich schon mein ganzes Leben lang – vermutlich, weil ich als Scheidungskind an einer schlimmen Form von Bindungsangst leide – aber das ist eigentlich gar nicht das Thema. Aber die Beiträge für eine Mitgliedschaft in diesem Verein sind gestaffelt:

Ein 1-Personenhaushalt zahlt 15,50 € pro Monat – ab einem Einkommen von über 1000€ sogar 18,50 €. (Hätte ich ein Kind, würde ich nur 12,50€/Monat bzw. mit Einkommen über 1000€ monatlich 15,50 €€/Monat bezahlen.)

Ein 2-Personenhaushalt zahlt bei einem monatlichen Netto-Einkommen 25,50 €/Monat. Durch 2 geteilt bedeutet das, dass jeder der beiden nur 12,75€ bezahlt.

Mein Beitrag wäre also 15,50 € pro Monat im Gegensatz zu 12,75 € pro Monat. Und das regt mich unendlich auf. Warum werden Singles eigentlich systematisch benachteiligt? Bei der GEZ-Gebühr ist es ja auch so, das pro Wohnung bezahlt wird, wodurch Leute, die alleine wohnen, benachteiligt werden gegenüber Menschen, die zusammen mit anderen wohnen. Ich finde, das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! Wir Singles haben einen Grund, warum wir Singles sind und genug Schwierigkeiten die wir meistern müssen. Oder ist die Single-Existenz gar ein Luxus? Auf jeden Fall ist sie in dieser Gesellschaft teurer als das Nicht-Singledasein. Und somit ist das Single-Leben ein Luxus, den sich wohl einfach nicht jeder leisten kann oder will. Aber das ist doch blöd, eine Beziehung einzugehen aufgrund von materiellen Vorteilen. Ist jedenfalls nicht das, was ich mir als Grundlage für eine Beziehung wünsche. Oder muss ich wieder in eine WG ziehen, damit ich weniger Ausgaben habe? Das sehe ich nicht ein. Nach drei Jahren WG-Leben, in denen ich sehr gelitten habe unter der Ignoranz der Menschheit in Form meiner Mitbewohner  will ich nie wieder in eine WG.

So. Nachdem ich mich jetzt hier ausgelassen habe, werde ich die Mitgliedschaft wohl in diesem Laden eingehen, da Bio-Produkte für meine Gesundheit von enormer Wichtigkeit sind. Und künftig an dieser Stelle eventuell das ein oder andere Gericht, dass ich mir zubereitet habe, vorstellen.

Vielen Dank fürs Lesen,

alles Liebe,

Georgina